Helmut Leitner (österreichischer Wikipionier, Graz)

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der OCG und Johann Stockinger für die Einladung über dieses Thema einen Vortrag halten zu dürfen. – Helmut Leitner

ProWiki - Fraktalität und ihre Perspektiven: Ein Open Source Angebot an die Scientific Community ‘beyond Wikipedia’.

Fraktalität ist ein Begriff, der vor allem aus der Geometrie - wer kennt nicht die berühmten Apfelmännchen - vertraut ist. Aber was hat dies mit Wikis zu tun? Der Vortrag möchte diese Frage und die daraus folgenden Handlungsmöglichkeiten klären.

Jenseits geometrischer Algorithmen lässt sich der Begriff Fraktalität am ehesten mit Selbstähnlichkeit und Selbstorganisation beschreiben. Das hat technische und soziale Anklänge mit einem starken Hintergrund der Systemtheorie lebendiger (organischer, organismischer) Systeme. Das heißt es geht um die Erklärung und die Ermöglichung von Wikis mit vielfältigen Aufgaben.

Technisch bedeutet Fraktalität die vollständige Restrukturierbarkeit von Wikis, also die Einführung und Fortsetzung von Baumstrukturen sowohl nach unten (als Seitenhierarchie) und nach oben (als Gruppen- und Clusterbildung von Wikis), sowie die Individualisierung dieser Teilstrukturen für spezifische Aufgaben, d. h. Inhalte und Prozesse. Dies geschieht durch lokalen Context (Konfigurationsinformation), der in das Wiki eingeschrieben wird (wie der aktive und potentielle genetische Code in einer Zelle) und der mit einem sozialen Nutzungs-Code korrespondiert.

Sozial bedeutet Fraktalität die Ermöglichung von Freiräumen und Entfaltungsräumen. Am einfachsten ist das durch das Bild von Projekten und Teilprojekten zu verstehen. Aber das ist nur ein Beginn für eine Exploration von Patterns und Practices, also der empirischen und spekulativen Möglichkeiten der Gestaltung von Seiten- und Seitenstrukturen und der sozialen Benutzungsregeln.

Die technische und soziale Komplexität fraktaler Systeme ist klar beyond Wikipedia, jenseits des starren flachen Verzeichnisaufbaus und seiner konstitutionellen und institutionellen Fixierung. Viele, die Wikipedia heute dem Namen nach kennen und schätzen, sehen noch nicht, was dieses Projekt mit ihrem persönlichen Lebens- und Arbeitsalltag zu tun hat. Wie sollten sie das auch umlegen können? Hier ist viel Kommunikationsarbeit zu leisten, um das Potential von Wiki auszuschöpfen.

An dieser Stelle: einige praktische Beispiele aus fraktalen Wikis. “Patterns und Practices”.

Wiki ist ein wissenschaftlich interessantes Phänomen. Das zeigt sich schon rein empirisch an der Publikationstätigkeit. Wikipedia ist zwar im Fokus, aber ein sich erwartbar erschöpfendes Forschungsfeld. Der Fortschritt der Wissenschaft lebt aus dem Reichtum der beobachtbaren und beeinflussbaren Variablen in vielfältigen - in diesem Fall technischen und sozialen - Settings.

ProWiki ist eine Wiki-Software (wiki engine), die Fraktalität als grundsätzliches Merkmal implementiert. Damit sind komplexe Projekte und Settings mit geringem Aufwand aufbaubar. Zusätzlich unterstützt ProWiki über das gängige hinausgehende Obervablen, wie z. B. Benutzerklassen und Sessions, die zu neuen Fragestellungen und Sichtweisen einladen. So bieten sich die Möglichkeiten einer unerschöpflichen Projektwerkstatt (aus der Sicht des Anwenders) bzw. eines Labors (aus der Sicht des Wissenschaftlers). Seit März 2006 ist ProWiki Open Source, gehostet bei Sourceforge, und steht damit neuerdings auch formlos für wissenschaftliche Projekte zur Verfügung.

 
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